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Modifiziertes Anbrüteverfahren

Autor: Frank Geffke.

In den Zuchtsaisonen seit 2013 haben wir das Zuchtverfahren Modifizierter Anbrüter (modified swarmbox) nach Harry H.Laidlaw jr. jeweils mehrmals mit gutem Erfolg angewendet. Dieses Verfahren scheint uns eines der schlüssigsten und ist  leicht  und spontan durchzuführen. Es wurde unter anderem in dem empfehlenswerten Buch "The Hive and the Honeybee" Joe M. Graham (Hrsg.) Illinois 1992, Dadant & Sons, Inc., veröffentlicht.

 

Das Zuchtverfahren übezeugt :

  • Es ist bienenphysiologisch plausibel und klappt sicher.
  • Es ist nach Verfügbarkeit von Zuchtstoff für jeden Imker spontan anwendbar
  • Die Pflegevölker bleiben weiselrichtig intakt, versorgen sich selbst und bringen bei entsprechender Tracht Honig.
  • Es werden keine Geräte oder besondere Kästen usw. benötigt, nur Standardmaterial

 

Als Pflegevolk wird ein normales vitales Volk mit einjähriger oder zweijähriger Königin ausgewählt. Dieses sitzt normalerweise auf 2 Zargen Brutraum und hat einen oder zwei Honigräume (hier Langstroth).

Frühestens vier, spätestens einen Tag vor dem Umlarven wird das Pflegevolk eingerichtet: Leerwaben, Futter, gedeckelte Brut und die Königin kommen, unter Absperrgitter, in die untere Brutzarge. Alle offenen Brutwaben auch offene Drohnenbrut plus zwei frische Pollenbretter kommen in die obere Brutzarge, sie saugen die "richtigen" Pflegebienen durch das Absperrgitter. Ein Honigraum verbleibt, der andere wird ohne Bienen woanders "geparkt" Das so eingerichtete Pflegevolk kann als Zellstarter (Starter) oder Volk zur Fertigpflege der Zellen (Finisher) verwendet werden. Bei weiteren Zuchtserien kann diese Einrichtung im 4-Tage Rythmus immer wieder aufgefrischt werden.

 

Am Tag des Umlarvens wird aus den Pflegebienen der oberen Brutzarge ein Schockschwarm gebildet: Neben das Pflegevolk  kommt ein Gitterboden oder ein anderses bienendichtes, ganzflächiges Gitter mit entsprechendem Bienenabstand, z.B. ein Wandergitter.

 

Darauf kommt eine Ganzzarge, Zargenloch verschlossen, mit zwei Futtertaschen.

 

Die Fütterer werden mit dünnem Futter 1:1 zu einem Drittel gefüllt und mit Fluglochkeilen abgedeckt.

 

Zwei frische Pollenbretter kommen dazu. Der Pollen und das dünne Futter ermöglichen den Pflegebienen die Aufrechterhaltung der Futtersaftproduktion.

 

Beim Plegevolk kommt der Honigraum aufs Absperrgitter, darauf die obere Brutzarge.

 

Jetzt werden die Pflegebienen von den offenen Brutwaben sanft in die "Starterzarge" geschüttelt.

 

Die "richtigen" Bienen müssen es sein, von den offenen Brutwaben. Die Masse allein macht's nicht. Bei der Bienenstärke nicht übertreiben, der Schwarm muss locker ohne Klimastress hängen können.

 

Alles wird in die Mitte gerückt, der Patz für den Zuchtrahmen bleibt frei. Futtertaschen und Pollenwaben sollen von beiden Seiten leicht zugänglich sein.

 

Der Anbrüte-Schockschwarm wird mit einem Innendeckel und Bienenflucht bienendicht verschlossen - es gibt kein Flugloch.

 

Der Anbrüter wird oben auf das Pflegevolk gestellt. Die Klimatisierung erfolgt über das ganzflächige Bodengitter. Jetzt bleibt Zeit zur Zuchtstoffentnahme und zum Umlarven. Link zum Beitrag Umlarven ...

 

Nach zwei Stunden ( Guido's "goldene Stunde" ;-)  werden die jungen Larven zugesetzt und sofort in Pflege genommen. Die belarvten Weiselbecher werden bis kurz vor dem Zusetzen mit feuchtem Küchenpapier gegen eintrocknen geschützt.

 

Die weiselunruhigen Bienen drängen heraus und werden mit einem feinen Wassersprüher beruhigt.

 

Es können 3 Zuchtlatten je 15 Larven gegeben werden, allerdings sollten zur Fertigpflege nicht mehr als 15 - 20 Zellen im Pflegevolk verbleiben.

 

Nach 24 Stunden werden die angeblasenen Zellen aus dem Schockschwarm entnommen und in die obere Brutraumzarge zwischen offene Brut gehängt (max. 20). Die Pflegebiene werden wieder dazugegeben. Wurden zu viele Zellen angeblasen werden sie auf andere Pflegevölker (Finisher). verteilt. Darauf kommt ein Innendeckel, diesmal mit offenem Loch, und darauf die Starterzarge mit den Pollenwaben und Futtertaschen. Es ist nicht notwendig alle Bienen sauber nach unten zu kehren, sie gehen durch das Deckelloch nach unten zur Brut.

 

Die Jungimker sind schon gespannt ob die Zellen weitergepflegt werden.

 

Zu viele für ein Pflegevolk! Sie sollten auf mehrere Finisher aufgeteilt werden.

 

Am fünften Tag nach dem Umlarven sind die Zellen fertiggepflegt und verdeckelt. Jetzt können sie bereits mit Schlüpfkäfigen geschützt werden. Dabei sollte sehr vorsichtig hantiert werden, die Puppen sind jetzt besonders empfindlich. Bei guter Tracht hilft das frühe Käfigen auch gegen wildes Überbauen der Weiselzellen. Spätestens ab dem zehnten Tag müssen die Königinnen vor dem Ausschlüpfen voreinander geschützt werden.

Am zehnten Tag nach dem Umlarven werden die Zellen in Begattungsvölkchen gesteckt.

 

Wenn der Zelldeckel so präzise abgebissen wurde ist ziemlich sicher eine Königin geschlüpft.

 

Lässt man die Königinen im Pflegevolk schlüpfen so sollten sie spätesten nach einem halben Tag mit fünf bis zehn jungen Begleitbienen und etwas Futterteig im Käfig versorgt werden. So kann man Begattungvölkchen in denen keine Königin geschlüpt ist nachträglich beweiseln.

 

modified swarmbox - Originaltext

Harry H. Laidlaw Jr (1992) "Production of Queens and Package Bees", in: Joe M. Graham (Hrsg.)"The Hive and the Honeybee" Illinois 1992, Dadant&Sons

"Die besten Königinnenzellen, die Imker erzeugen können, werden im Anbrüteverfahren gestartet. Anbrütekästen sind jedoch umständlich mit Bienen zu füllen und ihr Gebrauch zehrt stark an der Bienenstärke der Versorgungsvölker. Durch wirtschaftliche Variationen des Anbrüteverfahrens sind Züchter bestrebt, diesen Aufwand zu verringern und trotzdem die Vorteile des Anbrüteverfahrens zu nutzen.
Eine der besten dieser Variationen ist ein Zellstarter, in dem die zellenpflegenden Bienen über einem zweizargigen weiselrichtigen Volk für 24-36 Stunden eingesperrt werden, während die Zellen gebildet werden und einen Tag lang ihre erste Pflege erfahren.

Einen Tag vor dem Umlarven wird ein starkes Volk wie ein weiselrichtiger Zellstarter eingerichtet. Die Königin kommt mit verdeckelter Brut, Honig und leeren Waben unter ein Absperrgitter in die untere Zarge. Offene Brut wird über dem Absperrgitter in die obere Zarge gehängt und eine Pollenwabe wird direkt neben den jüngsten Larven platziert. Für fortlaufendes Züchten wird diese Anordnung aufrechterhalten, indem alle drei Tage junge Larven nach oben, und verdeckelte Brut, Leerwaben und Honig nach unten gehängt werden. Ein halbgefüllter niedriger Honigraum auf dem Bodenbrett kann als Fütterer dienen und bietet den Flugbienen Sammelraum, wenn sie nicht ausfliegen können. Dieses Raumgeben verringert die Schwarmneigung.

Die Weiselzellen werden oben auf diesem weiselrichtigen Volk in einer speziell eingerichteten Zarge angebrütet: In der Mitte zwei gut gefüllte Pollenwaben, dazwischen Platz für den Zuchtrahmen mit umgelarvten Zellen. An jede Außenseite der Pollenwabe kommt eine Futtertasche. Ein Flugloch gibt es [in der Anbrütezarge] nicht. [Zargenloch verschließen!] Etwa zwei Stunden bevor dem Starter frisch umgelarvte Zellen gegeben werden, wird die eingerichtete Anbrütezarge neben dem Volk auf ein bienendichtes Gitter gesetzt. [Wandergitter in Zargengröße oder Gitterboden] Die Futtertaschen werden mit 1:1 Zuckerlösung halb gefüllt und abgedeckt, damit keine Bienen hineinfallen.
Die obere Zarge des Startervolkes, über dem Absperrgitter, enthält junge Brut, Pflegebienen und Baubienen [wax builders]. Diese wird nun auf die eingerichtete Anbrütezarge gesetzt und die Bienen hineingestoßen. [Die Waben können auch einzeln abgestoßen werden, das spart Zargenheben.] Der obere Brutraum kommt nun zurück auf das Absperrgitter und die Anbrütezarge mit dem bienendichten Gitter darüber. Bevor der Deckel aufgelegt wird, werden die Futtertaschen wieder geöffnet.

Etwa zwei Stunden, nachdem die Anbrütezarge mit Bienen gefüllt wurde, hängt man [den Zuchtrahmen mit] vier Leisten [60Stück!?] mit belarvten Weiselnäpfen zwischen die beiden Pollenwaben. 24-36 Stunden später sind die angeblasenen Zellen gut entwickelt und reichlich versorgt und sie werden in weiselrichtige Pflegevölker verschult. Das Gitter unter der Anbrütezarge wird entfernt. Die Bienen können nun selbst hinunterziehen [in den oberen Brutraum] oder sie werden abgestoßen und die Zarge entfernt. Die Zellen können aber auch in diesem Startervolk ausgebrütet werden, indem die Zellen in den oberen Brutraum hinuntergehängt werden und Gitter und Anbrütezarge entfernt werden.

Wenn die Zellen 10 Tage alt sind, [nach dem Umlarven] müssen sie entnommen, und in Begattungsvölkchen gegeben werden. Für besondere Zwecke kann man sie auch gekäfigt im Pflegevolk belassen. Wenn die Zellen länger [ungeschützt, ohne Käfig] im Pflegevolk bleiben, wird eine früh schlüpfende Königin alle anderen Zellen zerstören oder die geschlüpften Königinnen bekämpfen sich.

Um Weiselzellen von Bienen zu befreien, sollten diese niemals geschüttelt oder gestoßen werden. Weil die sich entwickelnden Königinnen bis zum elften Tag nach dem Umlarven leicht verletzt werden können, sollte man die Bienen sanft von den Zellen abkehren.

Nachdem die Zellen verdeckelt sind, können sie entnommen werden. Sie können in jedem starken weisellosen Volk oder über dem Absperrgitter eines starken weiselrichtigen Volkes ausgebrütet werden. Man kann sie auch in einem, durch eine Wassertasse befeuchteten Brutschrank bei 93°F und 50% Luftfeuchtigkeit ausbrüten.

Um Zellen mit leblosen Königinnen zu erkennen, werden "reife" Zellen manchmal durchleuchtet [candled], indem man sie vor einer Lampe kippt. Lebende Königinnen schaukeln [rock] in den Zellen. Bei Königinnen, die jünger als 10 Tage sind, können die unentfalteten Flügel durch raues Hantieren beschädigt werden. Königinnen in älteren Zellen neigen weniger dazu, Schaden zu nehmen."
      
Harry H. Laidlaw Jr (1992) "Production of Queens and Package Bees", in: Joe M. Graham (Hrsg.)"The Hive and the Honeybee" Illinois 1992, Dadant&Sons

Harry H.Laidlaw jr. Leben ...

Harry H.Laidlaw jr. Nachruf ...

Harry H.Laidlaw jr. Bieneninstitut ...

(imkerlich möglichtst inhaltsgetreue Übersetzung von Frank Geffke)

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